Ratgeber: Die erste Mail
Hallo Mr. Unbekannt! Sie sind auf ein interessantes Profil gestoßen und möchten Kontakt aufnehmen?
Die Eingabemaske: Ein sinnbildlich unbeschriebenes Blatt, das viele Fragen aufwirft. Wie spricht man das noch namenlose Gegenüber an?
Wie kommunizieren, um erste Sympathien und die Neugierde an der eigenen Person zu wecken? Single-Coach Lisa Fischbach gibt wertvolle Tipps.
"Der erste Eindruck bleibt", sagt Psychologin Lisa Fischbach. "Vergleichbar mit Fußspuren auf einer Schneefläche. Die sind einfach nicht zu verwischen."
Wie Sie die Kontaktaufnahme gestalten, ist daher essentiell. Es gilt, eine Balance zwischen einer persönlichen Tonalität und der natürlichen
Distanz zwischen Unbekannten zu finden. Versuchen Sie, einen ersten Eindruck Ihrer Person zu vermitteln, ohne zu viel von sich preiszugeben - das erzeugt
eine gewisse Spannung. Ob sich daraus tatsächlich ein Internetflirt entwickelt, ist schnell entschieden. Eine zweite Chance gewährt das schnelle
Medium kaum. "Zweifeln Sie nicht an sich selbst, wenn Sie Zurückweisungen einstecken müssen", rät Lisa Fischbach. "Die gehören leider dazu,
davor kann Sie niemand bewahren." Immerhin: Ein virtueller Korb ist weniger schmerzhaft als eine Zurückweisung von Angesicht zu Angesicht. Also, wagen
Sie den ersten Schritt!
Lieber knackig kurz als episch breit
Thematisieren Sie Details, die Ihnen am Profil des anderen gefallen. Vielleicht haben Sie bereits gemeinsame Interessen entdeckt? "Wenn sich jemand mit meinem Profil
beschäftigt hat, signalisiert das echtes Interesse", so Fischbach. Und das erhöht die Chance auf eine Antwort. Empathie ist gefragt: Erzählen Sie nicht nur von sich -
und beachten Sie, dass zu forsche, ironische oder sarkastische Äußerungen per Mail leicht missverstanden werden können. Wählen Sie lieber einige gezielte Worte zu
Ihrer Person, um das Interesse Ihres Gegenübers zu entfachen. Sich nicht sofort in allen Lebensbereichen zu offenbaren, sichert auch den Gesprächsstoff für den
weiteren Austausch. "Außerdem", so Lisa Fischbach, "sind Sie weniger enttäuscht, sollten Sie einmal keine Antwort erhalten."
Du oder Sie?
Das förmliche "Sie" oder ein vertrauliches "Du" - über die Anrede bei der ersten Kontaktaufnahme entscheiden Sie am besten nach Gefühl. "Schreiben Sie, wie
es Ihnen entspricht", rät Lisa Fischbach. "Verstellen Sie sich nicht, vermitteln Sie kein falsches Bild. Das wäre keine gute Ausgangsbasis." Lassen
Sie sich für die Ansprache doch einfach vom Profil des Anderen inspirieren! Gut geeignet wäre beispielsweise ein neutrales "Hallo Hamburgerin"
oder "Lieber Filmfreund". Vermeiden Sie hingegen ein allzu geläufiges "Hallo Mr. Unbekannt" oder ein forsches "Hi Süßer".
Foto: Das bin ich
Sie haben jederzeit die Möglichkeit, einem Kontakt Ihr Foto freizuschalten. Gibt es hierfür den richtigen Augenblick? Die Spannung erhöht sich,
wenn Sie Ihrem Mailpartner nicht sofort einen Blick auf Ihr Bild gewähren - und lädt den Anderen womöglich dazu ein, Ihre Charakterzüge eingehend zu studieren.
Kommunizieren Sie jedoch über eine längere Zeit ohne Bild, kann das eine idealisierte Vorstellung vom Anderen heraufbeschwören, die an die Realität nicht
heranreichen kann. Fotos wirken in jedem Fall als Kennenlern-Katalysator: Der visuelle Eindruck beschleunigt die Entscheidung, ob der Kontakt intensiviert wird
oder nicht. Lisa Fischbach rät aus diesem Grund zum frühzeitigen Bildertausch beim Onlineflirt: "So vermeiden Sie, dass Sie allzu viele Gefühle investieren und enttäuscht
sind, sollte der Kontakt nach dem Austausch der Fotos abbrechen."
Absagen - eine Frage der Etikette
Sie haben Post! Widmen Sie sich der ersten Mail eines Unbekannten möglichst ohne Erwartungshaltung - lesen Sie nicht zwischen den Zeilen. Denn tiefgreifende Analysen
eines noch sehr frischen Kontakts führen oft zu Fehlinterpretationen. "Verlassen Sie sich auf Ihr allererstes Gefühl", rät die Psychologin. "Empfinden Sie den Ton als warm
und sympathisch oder birgt er etwas Irritierendes? Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, Aussagen nach Ihren Wünschen umzudeuten. Sie riskieren, enttäuscht zu werden." Wenn
Ihnen bereits die erste Mail den Eindruck vermittelt, die Person würde eher nicht zu Ihnen passen, sollten Sie diese Empfindung thematisieren. Denn eine Partneranfrage wie
diese nicht zu ignorieren, sondern sie mit einer Antwort zu würdigen, ist eine Frage der Höflichkeit. Unsere Anregung: Bedanken Sie sich für das Interesse und begründen Sie
kurz, warum Sie keinen Kontakt wünschen - ehrlich, aber ebenso stil- wie taktvoll. "Bevor Sie eine Absage senden, prüfen Sie unbedingt noch einmal Ihren Anforderungskatalog",
rät Lisa Fischbach. "Zu welchen Kompromissen sind Sie möglicherweise doch bereit? Manchmal lohnt es sich, Neues auszuprobieren."
Saskia Balke, Redakteurin